Bericht in der HNA über das Stammheim cloosing
Heute in der HNA (Hessisch Niedersächische Allgeimeine):
LETZTE STAMMHEIM-PARTY
5000 Leute und Chaos erwartet
VON HNA-REDAKTEURIN ULRIKE SCHERB
Kassel - Am 23. Februar soll die letzte Techno-Party im Stammheim steigen. Bis zu 5000 Gäste werden erwartet. Veranstalter und Stadt befürchten ein Chaos. Es gibt Streit mit dem Eigentümer über zusätzliche Räumlichkeiten.
Seit acht Jahren kamen die Techno-Fans nicht nur aus ganz Deutschland nach Kassel angereist, sondern teilweise aus ganz Europa. Sie nahmen die lange Reise auf sich, um das Stammheim, einen der bekanntesten Techno-Clubs in der Republik, aufzusuchen. Damit ist spätestens ab nächster Woche Samstag Schluss. Am 23. Februar wird das Stammheim in der Sandershäuser Straße zum letzten Mal seine Türen öffnen.
Dem Club, einem Untermieter der Kulturfabrik Salzmann, wurde zum Ende Februar dieses Jahres gekündigt. Grund: wiederholte Beschwerden der Nachbarn wegen Lärm, Müllbergen und Drogenmissbrauchs rund um das Gelände.
Eine Nachricht, die unter Techno-Fans nicht gerade mit Begeisterung aufgenommen wurde, wenn auch das Stammheim-Team sich derzeit um neue Räumlichkeiten in Kassel bemüht.
Zwischen 3500 und 5000 Raver aus ganz Europa werden am 23. Februar in der Kulturfabrik Salzmann erwartet. Eine Besucherzahl, die den Veranstaltern und der Stadt erhebliche Probleme bereitet. Denn so viele Menschen passen in die Räumlichkeiten des Stammheims nicht hinein, die Disko bietet für etwa 400 und 500 Gäste Platz.
Aus diesem Grund habe man im Vorfeld beim Hauseigentümer angefragt, ob eine weitere Etage an dem besagten Samstag angemietet werden könne, so Pierre Blaszczyk vom Stammheim-Team. Zudem hatte man geplant, auf dem Parkplatz vor der Kulturfabrik ein großes Zelt mit Sitzmöglichkeiten und Theken aufzustellen, um die erwarteten Menschenmassen adäquat unterzubringen.
Reaktion des Hauseigentümers: ein klares Nein. "Das kommt überhaupt nicht in Frage", so Harald Richter, der Münchner Anwalt des Hauseigentümers, "dann haben wir wieder katastrophale Verhältnisse". Zudem habe es in Bezug auf den Parkplatz keine Anfrage gegegeben, so Richter, sondern nur "die Ankündigung der Aktion". Gestern hätte das Stammheim-Team allerdings mitgeteilt, kein Zelt auf den Parkplatz zu stellen, wenn der Hauseigentümer damit nicht einverstanden sei.
Aber wohin mit den Menschen? "Wir fürchten, dass der Abend nicht ohne Probleme über die Bühne gehen wird", so Hilbert von Löhneysen, Chef des Kasseler Ordnungsamtes. Im Augenblick sehe er keine Lösung, nächste Woche sei allerdings noch ein Treffen der Veranstalter mit der Polizei und der Straßenverkehrsbehörde anberaumt. Probleme mit den zahlreichen Autos im Stadtteil werden befürchtet. Weder der Chef des Ordnungsamtes noch das Stammheim-Team gehen davon, dass man die Veranstaltung jetzt noch absagen kann.
"Absagen? Das ist unmöglich, die Leute kommen trotzdem", so Andreas Martens vom Stammheim. Nach wie vor sei man auf der Suche nach einer Lösung, um das befürchtete Chaos, in den Griff zu bekommen, so Blaszczyk.
Dass der Hauseigentümer doch noch zusätzliche Flächen auf dem Gelände zur Verfügung stellt, ist unwahrscheinlich. Die Stammheimbetreiber hätten vorher sicher stellen müssen, ob sie so viele Menschen unterbringen können, so Richter. Und wenn man durch ein Zelt - wenigstens zum Teil - Chaos in Bettenhausen abwenden könnte? Richter: "Das ist ehrlich gesagt nicht unser Problem."